
Wie schon so häufig mussten wir in der Regionalliga Süd-West ran, bevor alle anderen Mannschaften in die Medenspielsaison einsteigen.
Nach sehr kurzer Saisonvorbereitung empfingen wir am Samstag, den 2. Mai den Aufsteiger vom TC RW Lebach bei uns im Huthpark. Nicht in möglicher Bestbesetzung aber sehr gut aufgestellt, die meisten Wehwehchen in letzter Sekunde zumindest „unter Kontrolle“ gebracht, starteten wir bei herrlichem Wetter auf von Udo und Branka bestens vorbereiteten Plätzen in unsere diesjährige Spielzeit.
Nach den Einzeln hieß es leider erst einmal 2:4. Kerstin M. und Anette hatten gewonnen, Anja musste sich denkbar knapp 12:14 im Match-Tiebreak geschlagen geben und Kerstin H. musste, nachdem sie unter Einsatz aller Ressourcen beim Erlaufen eines unglaublichen Stopp-Balls gestolpert und auf die Stirn geprallt war, leider ein hochklassiges und enges Match gegen ihre Tennisfreundin aus Jugendtagen, Mirja, abschenken.
Nun war guter Rat teuer und wir stellten uns die Fragen, die uns jedes Mal aufs Neue „in den Wahnsinn treiben“: Ist es realistisch 3 Doppel bei einer 2:4 Ausgangslage zu gewinnen? Setzen wir Kerstin H. (sie erholte sich langsam von dem üblen Sturz) ein und schenken ggf. auch das Doppel ab? Oder setzen wir Shirleen, die uns den ganzen Tag schon angefeuert und sich um unser Wohl gekümmert hatte, für sie ein? (Anmerkung: es war der erste Spieltag und wir wollen unbedingt vermeiden, dass sich Shirleen im Laufe der Saison bei uns festspielt und damit nach den Sommerferien den Damen 40 nicht mehr zur Verfügung stehen kann) Und, die „Gretchen-Frage“: wer spielt überhaupt mit wem?
Lange Reder kurzer Sinn: wir spielten mit Kerstin H. und „von oben“ herunter und betrachteten innerlich, wenn wir ehrlich zu uns sind, das Ganze als eine Art Trainingseinheit.
Kerstin M. und Jacqueline, die ihre im Einzel verloren gegangene Vorhand, auf der Rückhandseite im Doppel dann schnell wiedergefunden hatte, gewannen souverän. Kerstin H. und Anette wollten „ihr“ Doppel so lange „am Leben“ halten und erst dann abschenken, sobald eines der anderen beiden Doppel verloren gegangen war. Kerstin H. wollte partout nicht den fünften Punkt dem Gegner zum Sieg schenken! Sie gewannen den ersten Satz 6:4, nahmen sich mit 0:6 im zweiten Satz eine bewusste Auszeit um dann 10:4 den Match-Tiebreak mit neuer Kraft zu gewinnen. Dabei hatten sie immer den Sieg des ersten Doppels sowie den Spielstand bei Claudia und Anja im Blick. Die Spielverläufe auf den Nachbarplätzen motivierten und hielten den Adrenalinspiegel hoch. Das zweite Doppel war auch unglaublich knapp. Nach einem Rückstand konnten Claudia und Anja den ersten Satz mit 6:4 für sich entscheiden. Auch im zweiten Satz mussten Claudia und Anja eine Aufholjagd hinlegen. Nach 2:4 konnte der Satz dann aber noch mit 6:4 gewonnen werden. Erst als lauter Jubel bei uns ausbrach, realisierte Claudia, dass wir auch das erste Doppel gewonnen hatten. Wegen der relativ kurzen Spielzeit war sie in dem Glauben gewesen, wir hätten verloren gehabt. 😉
Dieser Spieltag hat wieder einmal gezeigt, dass Tennis nicht nur etwas mit Technik, Taktik und Kondition zu tun hat. Die mentale Komponente im Tennis ist nicht zu unterschätzen. Wir haben eigentlich nicht mehr an unseren Sieg geglaubt (auch daran müssen wir arbeiten) und „befreit“ und mutig aufgespielt. Unsere Gegnerinnen waren sich ihres Sieges zu sicher, haben fest damit gerechnet, dass wir das dritte Doppel abschenken würden. Sie spielten verunsichert und davon abgesehen hat uns ihre Doppelaufstellung in die Karten gespielt.
Wir haben auf unseren Sieg und Jacquelines Debüt in unserem Team noch ein Gläschen getrunken und fahren nun in 14 Tagen selbstbewusst nach Kaiserslautern. Dort haben wir noch eine Rechnung aus der letzten Saison offen.
Text und Fotos: Kerstin M. (MF)